dahingedacht.de ist die Spielwiese zur Autorenplattform michael-milde.de. Dort sind meine Bücher zu finden und hier meine sinnfreien Interludien, gemischt mit gelegentlichen Informationen über Geschriebenes und Veröffentlichungen.

Der immerwährende Augenblick verschwindet

14. Februar 2012

Ab 18. Mai 2012 wird Band 2 der Fragment-Trilogie nicht mehr im Handel erhältlich sein. Denn schon längst werden alle 3 Bände überarbeitet und zu gegebener Zeit neu herausgegeben werden. Der Urtext wird dann nur noch Sammlerwert haben.

Worum ging es dabei nochmal?

Eigentlich wollte Geologieprofessor Tristan Wagner nur die Semesterferien mit seiner neuen Liebe, der Bibliothekarin Alana, und deren vorwitziger Tochter Sophia verbringen – diesmal ohne gefährliche Begegnungen, einstürzende Brunnenschächte, explodierende unterirdische Gänge und Geheimagenten!

Doch das Abenteuer um die geheimnisvolle Kugel, die den Wissenschaftler Reisen jenseits von Raum und Zeit unternehmen lässt, ist noch nicht vorbei.

Als Pater Benedikt aus Rom am Urlaubsort im Chiemgau anruft, setzen sich Tristan und Alana sofort in Bewegung. Der Kleriker hat eine Skulptur mit „ihrem” Triskell gefunden.

In welche Abgründe und zu welchen Erkenntnissen wird die Spur diesmal führen? Und von welcher Art ist die geheime Verbindung zwischen den Abenteurern der Gegenwart und ihrem steinzeitlichen Ahnen Than?

Am Ende dieser Geschichte, in der es mehr als einmal um Leben und Tod geht, steht die Erkenntnis: Es wäre viel zu einfach, die Mystik der Alten als heidnischen Humbug abzutun.

Postscriptum als ebook

29. Januar 2012

Der neu herausgegebene Roman gibt es jetzt bei amazon auch als ebook; für die Freunde digitalen Lesegeräte. Zum ebook geht es hier – sogar mit Leseprobe. So schreibt die erste Rezi/Bewertung vom Laylahs Bücherblog …

Die Story beginnt bereits rasant: Eine junge Frau wird erpresst. Kein Vorgeplänkel, keine langen Einleitungen, Michael Milde beherrscht es, spannend zu schreiben und diese Spannung auch durch zahlreiche Wendungen aufrecht zu erhalten.

Hauptperson ist der Kunstreporter, Frauenheld und Lebemann Thomas Heinrich Wenninhaus, von seinen Bekannten und Freunden THW genannt. Durch den Humor und dass dieser sich nicht immer so ernst nimmt, ist er eine sympathische Person.
Ihm fällt ein altes Buch in die Hände. Das Tagebuch eines Kosaken Offiziers aus dem 19. Jahrhundert, welches der Schlüssel zu einem gewaltigen Mysterium ist.
Ein Mord geschieht und er ist der Hauptverdächtige! In größere Schwierigkeiten kann man nicht kommen. So ziemlich jeder, von Ganoven bis zur Polizei ist plötzlich hinter THW her, der alles stehen und liegen lassen muss, um zu fliehen, will er seinen Hals retten.
Durch die halbe Welt führt seine abenteuerliche Reise: Paris, Carcassone, Bamberg, das ich gut kenne, und sogar bis zum Himalaya!
Die Landschaftsbeschreibungen sind treffend, ohne überflüssigen Schnickschnack.
Dabei verliebt er sich in Isabella, die ihm ein Rätsel ist. Warum interessiert sie sich so für das alte Tagebuch? Das kann doch kein Zufall sein?
Abenteuer, Gefahr, Spannung, Nervenkitzel, Liebe und Humor in einer unwiderstehlichen Mischung! Absolut empfehlenswert für jeden Leser von Thrillern und Spannungsromanen …

Machen Sie sich doch selbst ein Urteil.

 

EliteAmorette

12. Oktober 2011

Meine fürsorglichen Freunde eines ElitePartnervermittlungsunternehmen haben mich wieder angeschrieben. Ich fühle mich geschmeichelt. Die lassen nicht locker und wollen mich mit Gewalt glücklich machen. Das ist rührend.

Aber schon der erste Blick in das illustre Angebot zeigt: die temperamentvolle Juristin mit dem lasziven Schlafzimmerblick und die fröhliche Dometscherin mit dem hinreißenden Lächeln sind noch im Angebot. Was soll ich da denken? Ladenhüter? Sonderangebot zum Altweibersommer? Oder ist hier die Verpackung schillernder als der Inhalt?
Die vom selbstlosen EliteLiebesKonzern platzieren doch hoffentlich keine Lockvogelangebote. Wir Männer sind wegen unserer naturgegebenen freizügigen Fantasie ohnehin schon schwer geplagt. Da glaubt wohl ein Werbefuzzi ich würde jeder Solodame nur bis zur Nasenspitze hinauf gucken und es wäre egal wer in den allzeit hinreißenden Körbchen steckt. Aber nicht mit mir. Ich guck mir das genauer an.

Ihre Elite-Vorteile …, wird da geschrieben:

Hab Dich! - EliteLadys auf der Pirsch

-> Gebildete, kultivierte Singles
Das muss kein Vorteil sein. Denn wir Männer stehen bekanntlich auch auf noch exquisitere Qualitäten, jenseits Bildung und Kultur. Aber gut, die Dame könnte mir dann den Film erklären, den ich wieder mal nicht verstehe.

-> Handgeprüfte Mitgliederprofile
Aha! Wahrscheinlich habe ich keine richtige Vorstellung von dieser schweren Hürde, die im Qualitäts-management vorgeschrieben ist. Blond mag ja ein überprüfbares Kriterium sein, aber lacht sie auch über meine Witze? Ich verfüge da über einen sehr alten Fundus mit soooo einem Bart.

-> Wissenschaftliches Matching
Yeah! Da fühlt man sich aufgehoben. Das Elektronengehirn weiß, was man als Mann braucht. Erst wenn die Bits rattern und der Prozessor qualmt, die Hardware-Treiber die richtigen Befehle ins System schicken, werden wirklich heiße Vorschläge präsentiert. Auf seine Augen kann der Mann sich ja heute desto weniger verlassen, je tiefer er einer Frau in dieselben schaut. Wissenschaft ist cool. Da kann man(n) sicher sein, dass man so gut zusammenpasst, wie ein Legostein auf den anderen. (Aber tut das nicht jeder?)

-> Mindestens 200 qualifizierte Partnervorschläge
Boaaahhh!!! 200 Damen bei mir zuhause? Wieviel Kisten französischen Rotwein brauche ich denn da? Und erst das Schlafzimmer; gibt es ein Angebot bei Ikea, das ausreichende Maße hat?

-> Schon verliebt?
Eigentlich ja. Aber ist es im modernen Liebesleben nicht wie bei der motorisierten Mobilität? Der Trend geht zum Zweitauto, den kleinen Flitzer für zwischendurch. Mit dem Van gibt es nicht überall die passenden Parkplätze, aber in einen schnittigen Kleinwagen, kann man schnell reinhüpfen, Gas geben und absausen. Gut, der produziert Nebenkosten, aber Mehrkosten entstehen auch wenn es mich im Restaurant zum etablierten Hauptgang nach einem süßen Dessert gelüstet. Natürlich wäre eigentlich eine zweite Garage fällig, aber seien wir doch ehrlich: Als Randsteinparker geht man weniger Verpflichtungen ein. Hingegen würde ein Doppelstellplatz nur Probleme bringen. Das kann jeder PS-erfahrene und breitreifenausgestattete Mann sich denken.

-> Liebe ist kein Zufall …
… sagt das EliteOrakel und stattet Amor ganz trendy mit Laptop und Matching-Software aus. Dass ich meine Gattin völlig unwissenschaftlich getroffen habe, mag aus dieser Sichtweise ein Fehler gewesen sein, den ich nicht missen möchte. Mal sehen, was sie von der Anschaffung eines Zweitwagens hält; vielleicht kontert sie mit der Idee eines Drittwagens mit sportlichem Frontspoiler oder lässt mich fortan im neuen schwedischen 200er-Bett alleine schlafen. Na dann gutnacht.

(Bildnachweis: © deva - Fotolia.com)

Lust auf Lust?

6. Oktober 2011

Szenen der Lust – mit allen Sinnen genießen heißt die Sammlung an spritzigen Kurzgeschichten, zu denen der Schweitzerhaus-Verlag aufgerufen hatte. Gleich zweimal ist der Milde vertreten. Einmal sogar im Siegerkreis. Pornografisches war verpönt, aber alle literarischen Spielarten erotischer Spannung erwünscht. Nur eine weitere Anthologie? – Nein. Ich bin stolz mit Autorenkollegen wie Franziska Röchter und Erik Schreiber wieder einmal zwischen zwei Buchdeckeln vertreten zu sein.

Der Verlag wollte es auch optisch 'lust'-ig

Ü 50- Affären: Die studentische Liebhaberin eines renommierten Professors und der aktuelle Hausfreund seiner vernachlässigten Frau treffen sich nächtens nackt vor dem Kühlschrank; reiner Zufall, denn das sollte nicht geschehen. Und doch haben sich beide einiges zu sagen.

Shaved Plums: Ein spleeniges, älteres, very british, Ehepaar philosophiert über die nackten Tatsachen am Hotelpool. Doch dann passiert etwas, was nicht vorgesehen war: Der Lord reagiert körperlich auf diesen Ausblick, obwohl es noch nicht Samstag ist und außerdem gerade teatime. Lady Battonberg is really not amused. Aber ein gutes Hotel ist nicht nur in Erster Hilfe und dem Umgang mit dem Feuerlöscher versiert. God save the teatime.

Eine nachdenkliche und eine humorvolle Geschichte wurde von mir ins Rennen geschickt. Beide haben ihren Platz gefunden, was mich natürlich sehr freut.

Szenen der Lust
Anthologie
Schweitzerhaus-Verlag, Erkrath
ISBN 978-3-86332-009-6
Preis 14,90 €

Das neue Post Scriptum

11. August 2011

Das neue Post Scriptum Gottes, der Thriller um den neunmalklugen Journalisten und die gewitzte Unbekannte, ist ab sofort in jeder Buchhandlung erhältlich.

Klappentext:

Das Postscriptum Gottes - 2. Auflage

Thomas Heinrich Wenninghaus, Womanizer und eigensinniger Reporter der Zeitschrift “Amphore”, bekommt den Auftrag, exklusive Fotos der geheimen Archive eines jüngst verstorbenen Kunstsammlers zu besorgen. THW, wie er von seinen Freunden genannt wird, kann sich dabei auf die Unterstützung seiner zahlreichen Freundinnen verlassen.

Doch plötzlich geschieht ein Mord und THW findet sich als Hauptverdächtiger zwischen Polizei und Kunstmafia wieder. Isabella, die unbekannte Schöne, ihres Amtes Kunstexpertin, kommt ihm nicht ganz uneigennützig zu Hilfe, doch bevor THW sich aus dem Netz der Verdächtigungen befreien kann, überschlagen sich die Ereignisse:

Ein verschollen geglaubtes Tagebuch weist auf Unbekanntes aus dem Leben eines Menschen namens Jesu hin; der skrupellose Handlanger Giacomo ist ihnen auf den Fersen und jagt sie quer durch halb Europa bis sie im eisigen Himalaya um ihr Überleben kämpfen müssen – Wenninghaus begreift: Es gibt etwas zwischen Himmel und Erde, neben dem alle Kunst verblasst.

Der Roman führt den Leser mit der Geschwindigkeit eines ICE vorbei an den Schönheiten Südfrankreichs und den versnobten Pariser Separées durch das historische Bamberg – bis auf das Dach der Welt. Atemloser Lesespaß, gewürzt mit Gags und kleinen Seitenhieben auf die James-Bond-Kultur.

Leseprobe unter michael-milde.de

Das Postscriptum Gottes – 2.Auflage
Wendepunkt-Verlag, Weiden
ISBN 978-3-942688-18-5
Softcover
12,95 €

Das Cover-Foto ist übrigens von Rene Münzer und trägt den Titel “Tätowierungen …”

milde Brise

13. Juni 2011

Jetzt nicht nur bei Monsenstein & Vannerdat (Verlag) zu haben.  Die meisten Barsortimenter sind auch schon versorgt. Amazon und Co sowieso. Als ebook über readbox.net auch erhältlich. Doch ich empfehle am liebsten Ihren örtlichen Buchhandel. Das Coverfoto ist übrigens von Martin Jäschke und trägt den Titel Profilwindhose.

Klappentext:

Lassen Sie sich von einer milden Brise entführen; sich hierhin und dorthin treiben. Diese Sammlung aus der Feder von Michael Milde, der durch seine Romane bekannt geworden ist, stellt seine Kurzgeschichten zusammen, die bislang in den unterschiedlichsten Veröffentlichungen verteilt waren. Ob ‘Krimi’, ‘Liebe und Erotik’, ‘Horror’, ‘Science-Fiction’ oder der hintergründige Bereich von ‘Hoffnung und Tod’ – Sie begegnen immer mehr, als reiner Unterhaltung.

Erwachen Sie mit der Einbrecherin, die am Tatort plötzlich mit einem Fremden erwacht, schmunzeln Sie über den Einfältigen, der sich im verbalen Fremdgehen versucht oder leiden mit M´neele, der in ‘der Stein des Kukulunga’ mit seiner Familie aus Afrika vor der Dürre in das ferne, aber reiche Uuropa flüchten will.

Die milde Brise treibt Sie in eine Welt von Humor, Spannung, aber auch Augenzwinkern, die dennoch nie soweit von der realen Welt entfernt ist, dass sie unwirklich erscheint.

Verlag Monsenstein & Vannerdat
Edition Octopus
203 Seiten, Großtaschenbuch
ISBN 978-3-86991-360-5
Preis: 12 €

Nachlese Buchmesse Leipzig 2011

21. März 2011

Werte Bahn. Obwohl man eure Website nuschelnd auch bahnde oder Bande lesen könnte, kann ich mich für meinen gestrigen Ausflug ins sonnige Leipzig zur alljährlichen Buchmesse nicht beklagen. War ich doch mit keiner Verspätungsminute geplagt, die Heizung bereitete mir keine Sorgen und ich ärgerte mich auch nicht über angeblich überhöhte Preise im Bordrestaurant – ich war mit dem Auto unterwegs. Am Zielort ausgeruht angekommen, ließ ich mich fröhlich durch die sonnendurchfluteten Gänge und Passagen von den gefühlten 10 Personen pro Quadratmeter treiben. Und auf allen Seiten gab es Bücher. Ob gute oder schlechte weiß ich nicht; nur dass es viele waren. Eines davon sogar von mir. 

Doch der Weg zu meinem Buch war nicht einfach zu finden. 163.000 andere Belesene lasen sich durch die Les-Auslage, lauschten sich durch die Vorles-Dates und lugten auf die VIP-Ratscher.

Heerscharen von "Messies"

Immer wieder kreuzten fantasievolle Cosplayer meinen Weg. Eine Literaturkultur über die ich nichts weiß und mit der ich auch nichts anfangen kann. Aber mein Auge war erfreut.

Cosplay - vom erotischen Rollenspiel in Japan zum Jugendspaß

Diese nette Dame hingegen stand nicht für eine Playerin, sondern war “Chili für die Venus”. Auch wenn ich neben der Chili zur ollen Gurke mutiere, getraue ich mich neben sie.

Chili-Geisha meets Paar-ti-Tour-Samurai

3 Charaktere gab es bei der Lesung meines “Fremdgang” zu verkörpern. Nicht jeder war mit der gleichen Intelligenz gesegnet. Da wird das Mienenspiel zum Minenfeld und der Milde nuschelt sich durch den Text.

Mei' Fra' is' dä' Zuckä im Leb'm vo' mei'm Kaffä

Alles gut gelaufen. Irgendwann verzieht sich auch das dankbare Publikum. Der letzte macht das Mikro aus. Nur Lucas Cranach (im Vordergrund) kann sich wohl aus dem fantasievollen Kurzgeschichtchen nicht lösen. Egal, vielleicht macht er ja mal eine Laubsägearbeit aus mir.

Alles gutgegangen - ein wunderbares Gefühl, nicht nur beim ersten Mal.

Zusammenfassung: Thilo Sarrazin hat die Konfrontation mit mir gescheut; Charlotte Roche fand den Treffpunkt Besenkammer nicht; nur der Naturphilosoph Matthias W. Seidel hatte den Mut sich der offenen Auseinandersetzung von Sinn und Unsinn des sinnigen Unsinns zu stellen. Das Ergebnis war die Erkenntnis, dass Lesen und Schreiben wie Motorradfahren ist – wild und ungestüm für Leib und Seele.

Bücher - denn nur der Horizont ist die Grenze "RRROOOAAAARRRHHH"

Paar-ti-Tour – denn Reden ist ein Glücksspiel

3. März 2011

Die Leipziger Buchmesse 2011 ruft und ich werde aus meinem Beitrag ‘Fremdgang’ lesen – man hätte diese Kurzgeschichte auch ‘Von der hohen Kunst aneinander vorbeizureden’ nennen können. Aber soviel gibt der nackte männliche Unterarm auf dem Cover gar nicht her. Deshalb Paar-ti-Tour. Verständnisse, Missverständnisse und sogar Unmissverständnisse findet sich in dem kleinen Printwerk. Lesen Sie unter dem Bild doch mal rein.

Paare, das merkwürdigste Konstrukt seit Eva

Auszug hinter diesem KLICKMICH »

Fremdgang

Michael Milde

Der Zucker war alle.
„So ein Mist“, schimpfte Karl-Heinz vor sich hin.
„Dir auch einen schönen Tag“, grüßte jemand freundlich.
Karl-Heinz erkannte Bruno, den Lebenskünstler, der lässig mit einer Hand in dem renommierten Café im Herzen der Altstadt nach der Bedienung schnippte, und sich mit der anderen den Stuhl zurecht schob.
„Ach“, brummte Karl-Heinz missmutig.
„Schlecht drauf?“, fragte Bruno überflüssigerweise.
Statt einer Antwort stürzte der Angesprochene den Zuckerspender auf den Kopf. Ein paar wenige Kristalle purzelten auf den Tisch. „Da lohnt sich hinterher nicht mal das Tischabwischen.“
Bruno zog fragend die Augenbrauen zusammen. „Der Zuc­ker wird dir doch die Suppe nicht versalzen haben?“ Er lieb­te Wortspiele.
„Meine Dingsaffären lohnen das Duschen hinterher auch nicht.“
Die Bedienung in lässigen Jeans, aber mit artigem Schürzchen stöckelte dienstbeflissen mit einem Block in der Hand heran.
„Einen heißen Kaffee für mich und eine heiße Affäre für meinen Freund, bitte“, bestellte Bruno frech. Die Servicekraft notierte alles genau. Dann sah sie auf, noch einmal in ihren Block, blätterte darin, dann sah sie wieder auf.
„Tut mir leid“, versuchte sie eine gelangweilte Entschuldigung abzuspulen, „aber eine heiße Affäre haben wir nicht auf der Nachmittagskarte.“
„Nicht auf der Nachmittagskarte?“ Bruno tat empört. „Was machen wir denn da?“
Interessiert blickte Karl-Heinz auf. Mit Scannerblick mus­terte er die Bedienung. Weiblich, enge Jeans, apartes kleines Schürzchen, welches trotz des sterilen Weiß auch als Len­denschurz durchgehen könnte, lässiges Top (Farbe egal), sehr weibliche Ausstattung und brünettes, hochgestecktes Haar, aus dem gelegentlich eine lila Strähne spitz­te. Genau der Typ Frau, der ihm keinen Zucker im Le­ben gönnte.
„Vielleicht ja auf der Abendkarte“, überlegte die Bedienung kurz, aber nicht besonders interessiert.
„Ja?“, fragte Bruno in der Erwartung, es würde noch was kommen.
„Die gilt ab 17 Uhr, da habe ich keine Schicht. Nur nachmit­tags, weil eigentlich studiere ich Religionswissenschaften und mache den servilen Mist nur wegen der Kohle. Ver­stehste?“ Dabei wollte sie lässig die widerspenstige Strähne greifen, die immer wieder ihrem Arrangement aus Haarpracht, Haarnadeln und Haarschleifchen, entkam. Doch der Bleistift störte. Kurzerhand steckte sie ihn in den Dutt und spiel­te nachdenklich mit der Locke, die quer über das Gesicht hing.
„Sie Arme, das muss fürchterlich sein. Den Kopf voller fun­damentaler Mysterien und an Tisch fünf will der eine Milch­kaffee, der andere Macchiato, der nächste Café Latte, dann ei­ner nur schwarz oder Cappuccino. Das ist ja der reine Wahn­sinn. Wie halten Sie das nur aus?“
Ein Leuchten huschte über ihre überschminkten Augen.
„Ist lieb von dir. Verständnis haben nur wenige.“
Bei diesen Worten beugte sie sich vor und stützte sich, Bru­no zugewandt, mit dem Ellbogen auf dem Kaffeehaustisch­chen auf. Das leichte Sommertop konnte seiner Funktion der Bedeckung nur noch schlecht nachkommen. Zumindest aus Brunos Blickrichtung.
„Dabei ist die Welt, der Geist und die Tiefe der Seele und so, so tiefgehend. Vielleicht sollten wir das mal ausdis­ku­tie­ren, so substanziell und so.“ Beinahe zärtlich zog Bruno die Strähne zwischen ihren Fingern hervor und drehte sie lustvoll um die eigenen.
„Ich bestehe darauf, dass ich den Kaffee mitbringe.“ Ein un­artikulierter Wohllaut entkam den roten Lippen der Servicekraft. „Außerdem habe ich noch ein altes Reclam-Heftchen von Nietzsche. Da gibt es einige Stellen, die ich gern mal wissenschaftlich erklärt haben möchte. Es gibt so vieles, was ich nicht weiß.“
Karl-Heinz sah nur noch ein jeansbedecktes Hinterteil vor sich. Obwohl das an und für sich nicht ohne war, wusste er eines ganz genau: Er war abgemeldet. „Ich bräuchte noch Zucker.“
„Gemeinsam im Reclam schmökern hat so was Nahes, so etwas Inniges, so etwas Intimes. Gedanken fliegen auf …“
„Der Zuckerstreuer ist leer. Ich trinke meinen Kaffee immer mit Zucker“, meldete sich Karl-Heinz wieder zu Wort.
„Ich liebe die kleinen Heftchen auch sehr. Sie haben einen Ehrenplatz in meiner Privatbibliothek.“
„Ich liebe Männer, die belesen sind“, flüsterte die Servicekraft.
„Ich verehre Frauen mit Köpfchen“, gestand Bruno, als würde ihm ein geheimes Geständnis entlockt.
„Und ich liebe Zucker in meinem Kaffee, solange er noch heiß ist“, ließ sich Karl-Heinz vernehmen.

<Ende der Leseprobe>

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Paar-ti-Tour
Anthologie
Herausgeber Michael Milde
Wunderwald Verlag Erlangen
ISBN 978-3-940582-49-2
Preis 11,00 €
124 Seiten
offizieller Erscheinungstermin 10.03.2011

 

Stimulus stimmt – auch im Wahljahr 2011

27. Februar 2011

Sex sells. Oder anders formuliert, der Anblick nackter Tatsachen hat schon vor Urzeiten den Ausruf provoziert: “Ja, ich will!” Warum, so denken sich manche Parteien, soll das bei einer Wahl nicht funktionieren.  Deshalb sprechen diesmal nur Bilder.

CDU - die denken wirklich an alles

SPD - die denken noch mehr an alles (incl. Po)

Die Grünen packens an. Koalitionen gern auch mit schwarzem A...

Vielleicht hilft ein Frisörwechsel?

 

In Belgien locken 400.000 Bl...jobs

Kompetentna - zweifellos. Sie hat alles was ein Land braucht.

Yeah! Endlich die die tiefer gehen.

Freiheit für die Liberalen!

Der Sozi-Diiiiisssccchhhääää!

... und es geht noch tiefer

Da lockt das Deklinieren der Attribute

Intelligenz macht sexy

Die tapferen Mädels aus der Ukraine

Im prüden USA lockt Sex live zur schnellen Stimmabgabe.

2011 - sie fehlt doch hoffentlich nicht?


Die Sozialistin in Katalonien kommt gleich selbst.

Mono-Brain-Men

24. Februar 2011

Dem männlichen Geschlecht sagt man lebenslustige Eingleisigkeit des Denkens nach. Dabei stammt ein Großteil seiner Intelligenzpünktchen mit Sicherheit von der immerwährenden Denksportaufgabe, wie gelange ich von Adelheid zur Bertamaid, meinetwegen auch von A nach B, um es mathematisch korrekter auszudrücken.

Frauen denken Männer denken Denkunwürdiges.

Männer denken nur an das Eine? Pahh!! Wir sind so, weil wir von der Umwelt so gemacht werden, behaupte ich. Was ist falsch daran, wenn ein Reiter nur ans Reiten denkt. Oder Herr Zehner an die Elfe. Oder gar Pythagoras an die spitzen Schenkel. Die Welt ist so gewollt,der Mann ist unschuldig. Nehmen wir einen beliebigen, real existierenden Ort in einem Gewerbegebiet in einer deutschen Kleinstadt. Vor dem unbedarften, (wie immer) an nichts denkenden Vertreter des männlichen Geschlechts findet sich ein geräumiges Geschäft mit Mobiliar für ein gewisses häusliches Zimmer. “Dänisches Bettenlager” – wehe dem, der böses denkt. Lassen wir die veredelten Filmchen einer bestimmten skandinavischen Kategorie einmal außen vor. Auch wenn gerade Dänemark für die neue Kategorie der “HeartCore”-Produktionen steht, die sich ganz besonders frauenfreundlich zeigen und nach dem “Pussy-Power-Manifest” (s. Wikipedia, denn sowas denke ich mir nicht aus) kreiert wurden. Aber wir waren ja bei den “Mono-Brain-Men”. Unser männliches Beispiel denkt beim Dänischem Bettenlager eher an Holzarten, Verschraubungstechniken und den Sonderangeboten bei Nussbaumseitenteilen.

Eine Vierteldrehung weiter findet der vorverurteilte Gedankentäter die “Erotikwelt” mit DVDs, Toys und SM-Equip. Hier lässt sich glasklar statistisch beweisen, dass 98 % der Kundinnen Frauen sind. Den Rest könnte man in diesem Zusammenhang vernachlässigen. Bei den Herren vermute ich eher, dass sie meisten eigentlich nur ins unmittelbar benachtbarte Ladengeschäft für Schlagbohrer, Bohrhammer und Meißelvorsätze der Marke “Hilti” gehen wollten oder exquisit geschnittene Angoraunterwäsche für die Liebste suchten (aber wie immer keine Ahnung vom Einkaufen haben). In diesem Zusammenhang ist interessant, dass die Prozentzahl des Erstfremdgangs beim weiblichen Geschlecht bei 55% und beim männlichen bei 49 % rangiert. Natürlich ließe sich auch die Headline daraus zimmern, dass die eine Hälfte der Männer fremdgeht und die andere davon träumt. Ich hingegen bin der festen Überzeugung, dass weit mehr als die Hälfte nur die neue Hilti wollten.

Doch der angeblich so leicht verführbare Mann wendet seinen Blick ein wenig weiter, um den scheinbaren Verführungen, die ihm unterstellt werden zu entgehen – und trifft auf “La Femme … für die Frau, die weiß was sie will … Ein Geschäft nur für die Frau. Da ließe sich sogar der Vorrat an Plüschhandschellen aufstocken, aber in erster Linie bleibt festzuhalten, dass der Herr hier nur in Begleitung seines sorgeberechtigten Eheweibes eintreten dürfte. Die Kundinnen, die hier verkehren wollen nur eines: Ihre Lust optimieren. Was soll man als Mann da noch denken?

Eines bleibt dem armen Wicht, der an dieser heiklen Stelle im biederen Musterstadt spaziert, erspart, er wird für die Dauer des Einkaufs nicht draußen angebunden. Denn gleich daneben findet sich gottseisgelobtundgetrommelt “Die Modellbahnwelt”, die derzeit eine Dampflokomitive mit Schlepptender der Baureihe 38 im Sonderangebot hat. Nie wären 249,–€ lustvoller angelegt.

Upps, da kommt meine Frau. Schnell wieder der kleinen Schwarzhaarigen hinterhergeguckt, die sich gerade weit in ihren Kleinwagen beugt, um den Schuhkauf zu deponieren. Man muss ja sein Klischee ordentlich bedienen. Ich weiß ja, was sich anständig gehört.

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