Heimatdichter und Freund Artur Linke

Artur Linke wurde im Jahre 1923 in Bautzen in Sachsen geboren.

Das Kriegsende verschlug ihn nach Königstein in der Oberpfalz. Durch seine Naturverbundenheit und reiche Beobachtungsgabe und seinen tiefen Glauben an Gott fand er immer wieder neue Impulse für seine Gedichte. Viele davon sind in dem kleinen Bändchen „Von Wegfahrt und Heimat“ (vergriffen) zu finden. Der Landwirt fasste seine Verse häufig bei der Arbeit auf dem Feld. Herausgekommen sind feine, kleine Texte, die sich mit den einfachen Dingen des Lebens befassen und wie diese mit dem großen Ganzen verknüpft sind.

„Seine großen Hände geben Geborgenheit“, sagte meine Schwester Annette anlässlich seiner Beerdigung. „Und die wetteifern mit der Größe seines Herzens“, sage ich.

Verstorben am 04. September 2008

Heimatland

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Zwei Uhren

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Die erste Uhr, wer kennt sie nicht,
sie kommt uns täglich zu Gesicht,
sie tickt und regt sich immerzu,
der Anker hat nicht Rast noch Ruh.

Wir finden sie in jeder Stube –
fährt mit dem Bergmann in die Grube,
wird mit dem Kind zur Schule gehn,
ist auf dem Kirchturm auch zu sehn.

Sie ist bekannt doch weit und breit,
zeigt allen an die weltlich Zeit.
Und bleibt sie ausnahmsweise stehn,
zieht man sie auf; dann wird sie gehn.

Die zweite Uhr wird nun genannt:
als Lebensuhr ist sie bekannt.
Doch niemand hat sie je gesehn –
und kein Mensch kann an dieser drehn.

Der Herr, der über allem steht,
und sie in seiner Allmacht dreht:
Er hält sie an, wenn er es will –
dann wird es um uns Menschen still.

Legen wir die schwachen Glieder
einst zur letzten Ruhe nieder,
wird´s um uns ganz öd und leer,
dann geht die Lebensuhr nicht mehr.

Darum, ihr Menschen lasst euch sagen,
auf Erden sollt ihr euch vertragen.
Bedenkt, wie kurz ist doch die Zeit,
die ihr auf Erd´ beisammen seid.

Wenn die Lebensuhr bleibt stehn,
dann heißt es auseinander geh´n!

 

Die Jahreszeiten

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Schneeglöckchen hinter dem Zaun versteckt
haben die Blüten ausgestreckt;
zaghaft noch, zierlich fein,
Frühlingsboten wollen sie sein.Alles wird mit einemmal
aufgeweckt vom Sonnenstrahl;
Vögel kommen angeflogen,
von weither übers Meer gezogen.

Wiesen werden wieder grün
und am Bach die Veilchen blühn;
aus dem grünen Blätterwald
laut des Kuckucks Ruf erschallt.

Bäume stehn in Blütenpracht
die Natur ist aufgewacht.

Die Sonne geht nun weite Bogen,
Sommer kommt ins Land gezogen.
Früchte reifen an den Zweigen,
die sich fast zur Erde neigen.

Ähren werden gelb und schwer,
Schnitter kommen schon daher;
über das Feld rollen die Wägen
bringen heim den Erntesegen.

Landmann pflügt die Stoppelfelder,
langsam färben sich die Wälder;
Vögel ziehen ihre Kreise,
sammeln sich zur weiten Reise
Still wird’s dann im Buchenhain,
Sommer wird bald nicht mehr sein.

Es kommt der Herbst mit Sturmesbrausen,
läßt Blätter durch die Lüfte
sausen.
Drunt‘ im Tal und über’m Weiher
hängt ein dichter Nebelschleier.
Jäger gehen auf die Pirsch
und im Gehölz da röhrt der Hirsch.
Frost zerstört in einer Nacht
der Gärten bunte Blütenpracht.

Herbst hat Abschied dann genommen,
Winter ist dafür gekommen

Die Sonne hat sich fast versteckt,
Erde ist mit Schnee bedeckt;
Fluren werden starr und steif,
an Busch und Zaun glänzet der Reif.

Der Specht, der klopft am hohlen Baum,
alles sucht den warmen Raum.
Menschen fragen sich auf Erden,
wird es wieder Frühling werden?

Hoffnungsschimmer bleibt erhalten
für die Jungen, für die Alten;
jeder möcht sie wieder schau’n,
Schneeglöckchen hinter dem Gartenzaun.

Jahreszeiten sind vergangen
Menschenherz, dir braucht nicht bangen;
der Schöpfer wird euch stets begleiten
immer fort durch alle Zeiten.

 

Schlussvers aus seinem Gedicht „Zwei Uhren“:

Darum, ihr Menschen lasst euch sagen,
auf Erden sollt ihr euch vertragen.
Bedenkt, wie kurz ist doch die Zeit,
die ihr auf Erd´ beisammen seid.
Wenn die Lebensuhr bleibt stehn,
dann heißt es auseinander geh´n!