Band 3 entwickelt sich

Der dritte und letzte Band der Trilogie durchläuft die Überarbeitung. Das dauert seine Zeit. Schließlich soll die Story geraffter, mitreißender und tiefer werden. Die Charakteure werden lebendiger, die Handlung überraschender. Benedikt und Tristan machen sich Sorgen, dass der bigotte Pater Iscariot gelernt hat die alte Keltenkugel für eigene Zwecke auszunutzen. Ihr Weg führt direkt in die Bamberger Hexenverfolgung des 16. Jahrhunderts.

Jochen, mein Lektor, kämpft beruflich gegen den Pflegenotstand, schreibt privat muntere Essays und kümmert sich nebenbei um meinen Roman. Warum gerade er? Weil er es kann!

 aus MAINFAHRT

hexe
Verhör im Bamberger Malefix-Haus

„Wenn unser Obermaat nicht so blind wie eine geblendete Wasserratte wäre, hätte er uns ganz sicher Einhalt geboten“, raunte Sven Jonas zu.
„Warum denn?“
Noch ehe Sven antworten konnte, lachte einer der anderen Ruderer: „Na, Tom, sollen wir auszählen, wer heute Nacht zur Hölle fährt?“
Jonas beobachtete, wie der Obermaat die Stirn kraus zog und dann hektisch von Mann zu Mann blickte, als wolle oder könne er in einem der Gesichter lesen, wer sich erdreistet hatte, so despektierlich mit ihm zu reden. Schließlich wandte er sich wieder dem Land zu, grade in einem Moment, als die Sonne durch die Wolken brach und das Gespann in gespenstisches Licht tauchte und das Kreuz auf dem Wagen, wie ein mahnendes Symbol leuchten ließ.
„Ihr gottverdammten Halunken, ihr Hunde!“, brach es aus dem Obermaat hervor. „Ihr werdet euch Abbitte errudern. Hier jetzt und in diesem Augenblick! Und ihr werdet erst dann aufhören, wenn einer von euch ruchlosen Lumpen von der Bank rutscht.“
Jonas tat es den Männern gleich, aber sobald Tom unter Deck verschwunden war, verfielen sie allesamt wieder in eine gemächlichere Schlagzahl.
„Er bereitet dir wohl Unbehagen, dieser Wagen?“, begann Sven.
„Nein, nein!“, Jonas hob die Hände, „ich war lediglich erstaunt, wie behände er den Formen des … “
Sven stellte das Rudern ein. „Wenn du meinst …“
Jonas spürte, wie sich Unbehagen in seinem Bauch breit machte.
„Aber einmal komme ich doch dahinter“, stellte Sven fest, während er die Arme vor der Brust verschränkte.
„Es rankt sich um ein Mädchen“, seufzte Jonas schließlich.
„Ach was? Na raus damit!“
„Sie wird Agnes gerufen und sie ist die Tochter der Weissfrau.“
„Soso, und weiter?“
„Man bezichtigt sie der … Hexerei.“
Sven pfiff durch die Zähne und schüttelte: „Jonas, Jonas … du scheinst das Pech ja förmlich anzuziehen, erst liebäugelst du mit einer, die schon bald auf dem Scheiterhaufen lodern könnte und dann verscherbelt dich dein Herr Vater an den Eigner dieses Schiffes hier.
Sag, wie ist sie so?“
„So wie in der Carmina Burana.“
„Wie was?“
„Sie ist sehr schön und besitzt …“

Zeichnung von Ferdinand Piloty (1828-95)