Oh Gott oh Gott oh Gott

Oh Gott oh Gott oh Gott oder Wer Körper baut, deren Nerven-Reizleitungen mit Elektrizität betrieben werden, und der zu über 90% aus Wasser besteht, von dem sind womöglich noch ganz andere Sachen zu erwarten

Glauben heißt nicht wissen, oder doch? Aber was weiß ich? Genau das habe ich als nicht ganz dichter Denker mal zusammengetragen. 3 Kapitel mit entlarvten Schöpfungsmythen. Nicht ganz ernst gemeint. Im Ernst! Statt Weihnachtsgruß für alle meine Leser.
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Achtung „unisex“

Da schreit mich eine Werbemail an: Was zum Teufel sind Unisex Tarife? Das sind die mit der Rundum-Sorglos-Betreuung. Aber sicher, sagt der Versicherungsvertreter.

Die Zeit als der Mann noch ein echter Mann war und die Frau erotisch und geheimnisvoll sind wohl längst vorbei. Heute ist man unisex. Es gibt unisex-Frisöre, unisex-Toiletten (Ally McBeal-Gucker wissen das), Unisex-Kleidung (wenn jetzt jemand glaubt, da zähle der BH dazu, dann müsste ich sagen: anderes Thema), vielleicht auch Unisex-Liebhaber. Sogar in der katholischen Kirche gibt es Unisex-Bänke, zumindest jetzt, in der Neuzeit. Die älteren Gläubigen mussten sich noch brav links und rechts nach Geschlecht einordnen. Warum eigentlich? Waren die meisten Pfarrer kurzsichtig? Scheute man sich hemmungslosen Sex während der Mette zu riskieren? Wollte man transsexuelle Menschen dazu verdonnern am Eingang stehen zu bleiben?

Unisex heißt nicht „beim Pinkeln hinsetzen“.

Die Tendenz geht auch zur Unisex-Ehe, nachdem das Modell der Unisex-Beziehung beim Unisex-Liebhaber zum Erfolg wurde. Früher bestand man per Gesetz auf die Einhaltung einer Frauenquote von exakt 50%. Olle Kamellen, sagt der moderne Mensch, der Homo parasapiens unisex, und unterstellt jahrtausendewährende Diskriminierung des jeweils anderen Geschlechts seit es paarweise Zeugungsgemeinschaften gibt. Jeder soll nach seiner Façon selig werden, formulierte schon Friedrich II., König in Preußen.

In anderen Bereichen wird schon zurückgerudert. Bei der gemischten Sauna drängt der männliche Teil der Unisex-Vertreter in den Frauenbereich und die bleiben zuhause. Zum Ausgleich gibt es Frauentage, aber keine Männertage. Wäre das ein Modell zur Akzeptanz von Unisex-Toiletten? An allen Dienstagen und Donnerstagen nur für Frauen?

Es bleibt noch viel Basisarbeit zu leisten um diese wichtige Etappe der Gleichberechtigung zu erreichen. Damit hört auch endlich die Diskussion auf, warum es Wickeltische und Vibratorautomaten (z.B. Uni Ulm) nur in Frauen-, Kondomautomaten und Rasierutensilien nur in Herrentoiletten geben soll. Ein wichtiger Schritt nach vorne. Dann machen wir mit der geschlechtabhängigen Anrede doch gleich weiter. Herr Müller, Frau Schmidt … das selige Fräulein Kleinschmidt ist vor Jahrzehnten bereits dahingeschieden. Wobei das DAS in diesem Zusammenhang schon etwas Bestechendes hat. Nicht um das Neutrum einer unverheirateten, und damit offiziell ungeöffneten, Frau zu betonen, sondern um mit der unseligen Einteilung in Männlein und Weiblein gleich beim Namen aufzuhören. Zaghafte Ansätze sind bereits vorhanden. „Das Guido“ wird unser gelber Außenengel genannt. „Das Oma Trienchen“, um Lebensgewohnheiten wie Malefixspielen, Romméwettbewerbe und alkoholfreien Eierlikör zu betonen. „Det Kurven von dat Monroe“ muss das heißen oder „mein Name is‘ dat Bond, dat Dschähms Bond“. Alles andere ist privat.

Pfeife rauchen ist längst zur Unisex-Angelegenheit geworden und es sind auch schon Männer beobachtet worden, die nach dem Weg gefragt haben. Die Entwicklung hin zum „Privatgeschlecht“, so geheim wie das Blümchenmuster auf dem Lieblingskopfkissen, ist längt im Gange. Jedes moderne Fahrzeug ist mittlerweile mit einer Einparkhilfe ausgestattet, egal ob der Käufer männlich oder weiblich ist. Männer dürfen öffentlich weinen, wenn die bevorzugte Fußballmannschaft verliert und Frauen können sogar Koch und Gynäkologe werden. Die Welt ist im Wandel. Die Geschlechter vermischen sich völlig asexuell.

Ich frag mich nur, wie dat Frau auf der Unisex-Toilette das Pissoir bedient. Wir werden sehen!!!

(Bildnachweis: © Deklofenak - Fotolia.com)

Zeit ist eine Hure

Wer kennt es nicht, cialis dieses schleimige Fluidum, welches zäh durch die Wochentage fließt. Will man sich ihm tapfer entgegenstellen, saust es davon. Lässt man sich tröge mitziehen, wälzt sie sich öde dahin, wie ich, wenn ich morgens schlurfend die Zeitung hole. Physikalisch ist das nicht. Trotzdem hält es sich für eine der Urkräfte unseres Universums. Ich würde eher behaupten: Zeit ist eine Hure, hat knackige junge Brüste und hält immer die Hand auf.

Erst neulich blickte ich einem runden Hinterteil nach. Leider entfernte es sich von mir. Nach der mir mittlerweile ziemlich obszön erscheinenden Relativitätstheorie bleibt ein solcher Arsch wohlgeformt jung und ich altere hingegen immer flotter. Irgendwie fällt mir auf, dass sich die Popöchen umso schneller von mir fortbewegen, je knackiger sie sind. So macht Astrophysik keinen Spaß.

Des Montags bleierner Arsch

Aber mal von vorne. Wie kommt man überhaupt zu diesem schleimigen Fluidum, der Zeit. Ganz klar, durch Sex. Zwar nicht dem eigenen, sondern dem von anderen. Wir könnten jetzt diesen anderen mal die Arbeitsbezeichnung ‚Eltern‘ geben. Die Zeitkluft, die die sexhabenden Zeitinitiatoren von mir trennt, ist nicht überbrückbar. Egal ob meine Zeit gerade mal schnell oder langsam läuft (wobei sie immer behauptet das nicht zu tun), ob sich ein Knackpo von mir weg bewegt oder der Feierabend auf mich zu schlurft, der Abstand bleibt stets gleich. Da könnte ich rennen wie ich will, die hatten ihren Spaß und ich frage den Sekundenzeiger, warum er bei jeder Zahl so rumtrödeln muss.

In wenigen Minuten heißen Beisammenseins jener ‚Eltern‘ haben die ‚Chronosomen‘ mich in dieses zähe Fluidum, die Zeit geworfen. Nicht zu verwechseln mit den ‚Chromosomen‘. Die haben nur etwas mit meinen großen Ohren zu tun. Hingegen die ‚Chronos-Teilchen‘ damit, dass es Zeit in dem Fall komprimiert, falls ich es wage faustisch zu denken: „Werd‘ ich zum Augenblicke sagen:‘Verweile doch! du bist so schön!‘ Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!“ Sie flieht wie die scheue Jungfer, die schon wie bei anderen Gelegenheiten ihren Popo in Sicherheit bringt. Spreche ich aber zum Montag: „Fahre hin, du falscher Versprecher. Lockst mit Aufbruch und bringst nur ein Fässchen Müdigkeit gespickt mit langer Weile.“, so grinst er mich hingegen grenzdebil an und hockt sich mit seinem breiten Arsch mitten in die Welt, über alle Zeitzonen hinweg gleichzeitig. Ich kriege mein Montagsgesicht verpasst, die Fabrik spuckt Montagsautos raus, und der Kaffee ist natürlich auch wieder leer.

Zwischen Freitag und Montag, erstem Kuss und dem Versprechen wieder anzurufen, und meinetwegen auch die Zeit zwischen schnell mal in in der Altstadt parken und gebührenpflichtiger Verwarnung, scheint dieses Fluidum irgendwie beschleunigt. Wo bleibt da der Montag mit seinem A… ttribut. Doch lassen Sie uns physikalisch bleiben. Dem Fachgebiet, zu dem sich die Zeit dazugehörig behauptet. Nach Einstein ändert Masse den Zeitablauf. Danach müsste der Montag schwerer sein als ein guter Witz oder das Lächeln der Weisheit. Und ich sollte mich bei Olympia anmelden, weil mein Bäuchlein streng nach Einstein den Turbo zünden täten würde. Aber das nur nebenbei.

Doch es gibt Weise in der Welt, die das Mysterium der Zeit schon längst für sich gelöst haben: Die Bahn. Druckt sie doch den rechten Augenblick auf ein großes Plakat und verkündet die wahre Zeit in die Welt. Doch der Weise bleibt bescheiden und rühmt sich selbst nicht. Deshalb ist es ein Ausdruck der Bescheidenheit, so glaube ich, dass dieses hochgeistige Unternehmen hin und wieder ein Quäntchen zu spät kommt und ihren Gläubigen die Zeit am zugigen Bahnsteig schenkt, sich selbst mit der Nichtigkeit Diesseitigem auseinandersetzen zu können. Bis zur zeitlosen Erleuchtung aber werde ich noch viele Stunden an lautsprecherdurchplärrten Bahnsteigen verbringen müssen.

Die Zeit ist eine Hure, die bar bezahlt werden muss. Sie verspricht die Ewigkeit und verstreut doch nur Zeitkrümel auf unseren Weg. Willkürlich, ungerecht und launisch wie eine Diva. Drum umschmeichle ich sie und gebe ihr das Gefühl einzigartig zu sein. Vielleicht küsst mich die Zeitliche dann eher, als dass ich sie segne. Beischlafe mit der Zeit, dann hast du zur Not vielleicht nicht zuviel davon. Und im Schäferstündchen mit der Liebsten wächst ein Gefühl von Ewigkeit. Das wäre ein schon ein guter Anfang, auf dem Weg zur Bahn.

Wenn ich das am Montag im Universum erzähle, dann kann Einstein aber Kaffee kochen gehen.

(Bildnachweis: © Hunta - Fotolia.com)

Flirt nur mit Handbuch

US Date Regeln oder Clinton-Lewinsky-Effekt contra Romeo-und-Julia-Klausel

Irgendwie fällt es auf, dass es im Land der unbegrenzten Freiheit und Möglichkeiten einen heimlichen Wunsch nach festen Regeln gibt. Ja, man giert regelrecht danach. Selbst das Verabreden und Verlieben vollzieht sich nach generalstabsmäßiger Ordnung. Die zu kennen ist von Vorteil. Auch wenn man nur mit der Gattin „Sex in the City“ oder ähnliche Analytiker-Klientel-Serien ansehen muss.

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Die Trilogie reift

Die Überarbeitung der Trilogie (Das Fragment, Der immerwährende Augenblick, Die wundersame Quintessenz) kommt gut voran. Unterstützt vom Freestyle-Autoren Jochen Ruscheweyh wird der Roman kompakter, schneller, aber auch vielschichtiger. Um meine Leser nicht zu lange auf die Folter zu spannen, gibt es hier einen Textauszug aus Band I. Die Szene spielt in der Krypta des Bamberger Doms. Seien Sie gespannt.

[spoiler show=“Leseprobe auf“ hide=“Leseprobe zu“]„Sagen Sie, arbeitet hier auch jemand oder machen Sie Dauerpause?“, fuhr der Prälat den Messner an, der ihnen in den Dom gefolgt war, sich aber noch im Bereich des Altars aufhielt. Noch ehe dieser antworten konnte, entdeckte der sich offensichtlich in Rage befindliche Prälat Benedikt.„Pater!“, rief er. „Können Sie mir bitte erklären, warum die Haupteingänge hier und in St. Michael verschlossen sind? Was Sie hier mit diesen Gläubigen veranstalten, nennt sich Freiheitsberaubung. Auf der Stelle sorgen Sie dafür, dass die Eingänge wieder geöffnet werden!“

Beinahe simultan erhoben sich die Regenmantelträger, zogen Maschinenpistolen unter ihren Regenschutzen hervor und schwärmten aus. „Haupttür gesichert“, rief einer, ein anderer: „Altar und Kanzel gesichert.“

Zwei der Männer bauten sich vor Tristan auf.

„Her mit dem Artefakt!“, schrie der größere der beiden Männer.

„Was?“, presste Tristan hervor, noch nicht sicher, ob er gerade überrascht oder erschrocken reagierte.

„Strapazier’ unsere Geduld nicht, Professor!“, zischte der andere und drückte Tristan den Lauf seiner Waffe in die Magengegend.

„Lasst ihn!“, rief Alana, wurde aber von Benedikt daran gehindert, sich den Männern weiter zu nähern.

Tristan fühlte sich leer, wie gelähmt. Er starrte auf die Maschinenpistole, die auf ihn gerichtet war. Dann, ein Gedankenstrom: Talisman. Ammonit. Der Solnhofener Plattenkalk. Sein Vater. Dinosauriervögel. Die Wurzelhöhlung, schwarzer Stein, faustgroß.

„O.K., es geht auch anders!“, sagte der Größere, zog ein Mobiltelefon hervor und drückte einige Tasten. Dann hielt er Alana das Gerät hin. Sie zögerte einen Moment, bis Benedikt nickte, dann griff sie danach und hielt es sich ans Ohr.

Ihre Augen weiteten sich. „Sophia!“

Ihr schriller Schrei hallte von den Wänden des Domes zurück, bis er schließlich verstarb.

Der Mann riss Alana das Telefon aus der Hand und trennte die Verbindung.

„Wenn ihr irgendetwas geschehen sollte …“, flüsterte Alana und ballte die Faust. Sie schob die Schulter vor, als wollte sie zu einem Sprung ansetzen und den Bewaffneten niederreißen, aber Benedikt stellte sich ihr mit ausgebreiteten Armen in den Weg.

„Alana! Hör auf! Das ist doch Wahnsinn! Willst du dein Kind in Gefahr bringen?“

 

Sie stiegen in die Krypta hinab. Immer noch waren Maschinenpistolen auf sie gerichtet, mittlerweile vier an der Zahl. Zumindest ging es ihnen besser als dem Prälaten und dem Messner, die gefesselt und wie Bündel verschnürt vor dem Hochaltar lagen. Tristan schüttelte sich bei dem Gedanken daran. Er sah, wie Benedikt, der voranging, neben einem gemauerten alten Brunnen stehen blieb, der ein Dach besaß, unter dem an einer Winde ein metallverstärkter Holzeimer an einer Kette hing.

Weiter im Raum befanden sich einige in Reihen ausgerichtete Bänke, davor ein Altar.

Tristan hörte Alana hinter sich. Ihre ursprüngliche Wut war einem leisen Schluchzen gewichen.

„Wir sind hier im ältesten Bereich. Beim dritten Aufbau des Domes um zwölfhundertachtunddreißig wurde diese Zisterne angelegt, damit die Gläubigen ihren Durst nach Wahrheit löschen können“, begann Benedikt, dessen Stimme in der Krypta dunkler und voller als oben im Dom klang.

„Verschwende hier nicht unsere Zeit“, unterbrach ihn der Regenmantelträger, der Alana vor wenigen Augenblicken das Telefon hingehalten hatte und der, wie Tristan vermutete, höchstwahrscheinlich derjenige war, der die restlichen Männer befehligte. „Du hast einen Plan gehabt, wo ihr hier unten suchen wolltet. Also los, mach’ schon!“

„Woher wussten sie davon?“, dachte Tristan. Benedikt hatte diesen vermeintlichen Plan heute noch mit keiner Silbe erwähnt. Schlagartig wurde ihm klar, dass ihr Versteckspiel – seines, Alanas und vermutlich auch das aller anderen Beteiligten wie Severino – allein ihre eigenen Nerven beruhigt, nicht aber dazu beigetragen hatte, Informationen vor ihren Verfolgern und Beobachtern zu verbergen. Diese, wie sich jetzt herausstellte, hochprofessionelle Truppe hatte sie in Sicherheit gewogen, in dem sie ihnen kleinere Vorsprünge und Erfolge gelassen hatte, und letztendlich ihr Ziel damit erreicht: Benedikt, Tristan und Alana hatten das Rätsel für sie gelöst und sie obendrein noch direkt an die Stelle geführt, an der sich das Objekt ihrer Begierde befand. Zumindest vermutete er das.

 

„… das ist natürlich symbolisch gemeint“, fuhr Benedikt fort, in dessen Stimme jetzt aber ein wenig Unsicherheit mitzuschwingen schien. „Trotzdem wurde die Zisterne als vollständiger Brunnen angelegt.“ Er legte seinen Rucksack ab. Sofort folgte der Lauf einer Maschinenpistole seinen Bewegungen. Langsam öffnete der Pater einen Reißverschluss und entleerte den Rucksack auf den Boden. Vor ihm lagen nun zwei Taschenlampen, ein alter Schlüssel, zwei Bergsteigerhelme mit Kopfleuchten, verschiedene zusammengerollte Pläne, ein Bergsteigerseil und eine kleine Digitalkamera.

„Du weißt doch, dass Fotografieren in alten Kirchen verboten ist. Ihr solltet hier mal Schilder aufhängen“, zischte der Kleinere und trat mit seinen Militärstiefeln mehrmals fest auf das Gehäuse der Kamera, die bereits beim ersten Tritt auseinanderbrach.

„Was seid ihr nur für Menschen“, sagte Alana leise. „Was hat meine kleine Tochter mit diesen Sachen hier zu tun?“

„Deine Tochter ist nur eine kleine Motivationshilfe für diesen Don Camillo hier!“, gab der Anführer zurück und deutete auf Benedikt, der sich einen der beiden Helme aufsetzte und den dazugehörigen Kinngurt verzurrte.

„Ihr … ihr … verdammten Schweine“, begann Alana.

„Ja. Komm’ gib es uns. Sag, dass wir alle in der Hölle schmoren werden, wenn es dir damit besser geht. Trotzdem ändert das nichts an der Tatsache, dass er uns jetzt besorgt, was wir haben wollen.“

Tristan sah, dass der Brunnen mit einem Gitter abgedeckt war, dass seitlich durch ein Schloss gesichert wurde. Benedikt öffnete es mit Hilfe des alten Schlüssels, zog es ab und wuchtete das offensichtlich schwere Gitter hoch, schaffte es jedoch nicht ganz, obwohl er sich scheinbar mit voller Kraft dagegen stemmte.

„Hilf’ ihm!“, wies der Anführer den Kleineren an, der daraufhin an den Brunnen trat und mit anfasste. Gemeinsam drückten sie das Gitter über den gegenüberliegenden Brunnenrand, von wo aus es zu Boden fiel. Das Scheppern hallte kurz, aber laut und für Tristans Ohren hässlich durch die Krypta.

Benedikt blickte sich um und schüttelte seine Arme aus. Sie schienen ein wenig zu zittern. Dann kletterte er auf den Rand des Brunnen und ließ den Eimer hinab. Mit rasselndem Klang verschwand das Gefäß in der Tiefe.

„Kann ich … ?“, fragte Tristan und deutete erst auf sein Auge dann auf den Brunnen.

„Von mir aus.“ Der Anführer zuckte mir den Schultern. „Aber du bist dir im Klaren, Professor, versuchst du hier irgendwelche Tricks, zeigt dir das kleine Mädchen keine Ewigkeitsbänder mehr!“

Tristan fuhr innerlich zusammen. Eigentlich war er davon ausgegangen, dass er erst seit seiner Fahrt in den Chiemgau unter Beobachtung stand. Verdammt, sie mussten ihm wirklich überall hin gefolgt sein. Bei dem Gedanken daran wurde ihm leicht schwindelig. Er trat einen Schritt vor und stützte sich mit den Händen auf den Brunnenrand.

Mit einem lauten Klatschen schlug der Eimer auf die Wasseroberfläche auf, ging aber nicht unter, wie Tristan im Schein der Taschenlampe sah, die Benedikt jetzt nach unten richtete. Kein Wunder, die Kette war vollständig abgelassen. Wasser ließe sich damit nur schöpfen, wenn noch für drei bis vier Umdrehungen Kette auf der Achse verblieben wäre.  Benedikt schaute kurz zu Tristan, dann zu Alana, ehe er die Kette fasste und langsam mit einem Sicherungsseil über die Schulter geschwungen in den Schacht hinunterkletterte.

 

„Hier ist etwas!“, ertönte Benedikts Stimme nach einer Weile. „Ich brauche Hilfe. Tristan soll runterkommen.“

„Vergiss es!“, rief der Anführer in den Schacht hinab. „Ich schick’ dir einen meiner Männer.

„Nein! Ich brauche Tristan. Er muss sich hier etwas anschauen.“

„Das kann auch einer von uns, dafür brauchst du den Professor nicht!“

„Nein, sie verstehen nicht. Es geht hier um eine geologische Sache. Der Brunnen ist in Fels gehauen, und es gibt hier unten Risse. Ich muss wissen, wie belastbar das Gestein hier unten ist, sonst kann ich die Kammer nicht öffnen.“

„Eine Kammer also, kein Gang? Wehe, wenn du uns verarschst, Pater!“

Der Anführer wandte sich Tristan zu. „Los, kletter’ runter zu ihm.“

„Da runter? Hören Sie, ich bin Geologe, ja, aber ich beschäftige mich hauptsächlich mit Gesteinsformationen in Landschaften. Wissen Sie, wann ich das letzte Mal in eine Höhle geklettert bin? Das war … das war noch während meines Studiums.“ Er schüttelte den Kopf. „Was weiß ich, was da unten ist. Nein, ich kann das nicht!“

„Tristan“, sagte Alana. „Bitte!“

Er zögerte. Vielleicht würden seine Kräfte reichen, um hinunterzuklettern, eventuell sogar noch für den Weg zurück nach oben, nur …

„Ich bin ein ziemlich schlechter Schwimmer.“

„Bitte.“

„Alana“, Tristan spürte wie brüchig seine Stimme klang. „Ich bin kein schlechter Schwimmer, ich kann überhaupt nicht schwimmen!“

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Überraschend erfrischend – der neue Text vom Keltenartefakt
(Bildnachweis: © *paprika* - photocase.com)

Der immerwährende Augenblick verschwindet

Ab 18. Mai 2012 wird Band 2 der Fragment-Trilogie nicht mehr im Handel erhältlich sein. Denn schon längst werden alle 3 Bände überarbeitet und zu gegebener Zeit neu herausgegeben werden. Der Urtext wird dann nur noch Sammlerwert haben.

Worum ging es dabei nochmal?

Eigentlich wollte Geologieprofessor Tristan Wagner nur die Semesterferien mit seiner neuen Liebe, online der Bibliothekarin Alana, case und deren vorwitziger Tochter Sophia verbringen – diesmal ohne gefährliche Begegnungen, pills einstürzende Brunnenschächte, explodierende unterirdische Gänge und Geheimagenten!

Doch das Abenteuer um die geheimnisvolle Kugel, die den Wissenschaftler Reisen jenseits von Raum und Zeit unternehmen lässt, ist noch nicht vorbei.

Als Pater Benedikt aus Rom am Urlaubsort im Chiemgau anruft, setzen sich Tristan und Alana sofort in Bewegung. Der Kleriker hat eine Skulptur mit „ihrem” Triskell gefunden.

In welche Abgründe und zu welchen Erkenntnissen wird die Spur diesmal führen? Und von welcher Art ist die geheime Verbindung zwischen den Abenteurern der Gegenwart und ihrem steinzeitlichen Ahnen Than?

Am Ende dieser Geschichte, in der es mehr als einmal um Leben und Tod geht, steht die Erkenntnis: Es wäre viel zu einfach, die Mystik der Alten als heidnischen Humbug abzutun.

Postscriptum als ebook

Der neu herausgegebene Roman gibt es jetzt bei amazon auch als ebook; für die Freunde digitalen Lesegeräte. Zum ebook geht es hier – sogar mit Leseprobe. So schreibt die erste Rezi/Bewertung vom Laylahs Bücherblog …

Die Story beginnt bereits rasant: Eine junge Frau wird erpresst. Kein Vorgeplänkel, buy viagra keine langen Einleitungen, Michael Milde beherrscht es, spannend zu schreiben und diese Spannung auch durch zahlreiche Wendungen aufrecht zu erhalten.

Hauptperson ist der Kunstreporter, Frauenheld und Lebemann Thomas Heinrich Wenninhaus, von seinen Bekannten und Freunden THW genannt. Durch den Humor und dass dieser sich nicht immer so ernst nimmt, ist er eine sympathische Person.
Ihm fällt ein altes Buch in die Hände. Das Tagebuch eines Kosaken Offiziers aus dem 19. Jahrhundert, welches der Schlüssel zu einem gewaltigen Mysterium ist.
Ein Mord geschieht und er ist der Hauptverdächtige! In größere Schwierigkeiten kann man nicht kommen. So ziemlich jeder, von Ganoven bis zur Polizei ist plötzlich hinter THW her, der alles stehen und liegen lassen muss, um zu fliehen, will er seinen Hals retten.
Durch die halbe Welt führt seine abenteuerliche Reise: Paris, Carcassone, Bamberg, das ich gut kenne, und sogar bis zum Himalaya!
Die Landschaftsbeschreibungen sind treffend, ohne überflüssigen Schnickschnack.
Dabei verliebt er sich in Isabella, die ihm ein Rätsel ist. Warum interessiert sie sich so für das alte Tagebuch? Das kann doch kein Zufall sein?
Abenteuer, Gefahr, Spannung, Nervenkitzel, Liebe und Humor in einer unwiderstehlichen Mischung! Absolut empfehlenswert für jeden Leser von Thrillern und Spannungsromanen …

Machen Sie sich doch selbst ein Urteil.